Fragestellungen der Studie:

  • Welche Erwartungen verbinden Eltern mit dem Erlernen von Latein als Fremdsprache?

Rezension zur Studie

Gerhards, J., Sawert, T. & Kohler, U. (2019). Des Kaisers alte Kleider: Fiktion und Wirklichkeit des Nutzens von Lateinkenntnissen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 71(2), 309–325.

Die Sprachwahl an Gymnasien trägt paradoxe Züge: Einerseits spielen alte Sprachen im gegenwärtigen Globalisierungsprozess keine Rolle, andererseits wird insbesondere Latein häufig gewählt. Das Autorenteam um Jürgen Gerhards vermutet daher, dass bestimmte Sekundärerwartungen an den Erwerb von Latein (positiver Einfluss auf allgemeine Intelligenz, logisches Denken und Fremdsprachenlernen) trotz fehlender empirischer Grundlage noch immer weit verbreitet sind und betrachtet daher die Erwartungen von Eltern an den Lateinunterricht.

Zum einen – so die Annahme – hielten Eltern möglicherweise an den drei oben genannten Sekundärerwartungen fest, zum anderen versprächen sie sich gegebenenfalls auch symbolischen Nutzen, der sich in einem Distinktionsgewinn niederschlagen könnte. Der symbolische Gewinn beruht auf der Erwartung einer erhöhten allgemeinen und kulturellen Bildung und einer vergleichsweise hohen gesellschaftlichen Position von Lateinsprechenden. Da die Autoren vermuten, dass vor allem die höheren Bildungsmilieus von diesem Distinktionsgewinn profitieren, gehen sie davon aus, dass die Erwartungen von sekundären und symbolischen Vorteilen bei diesen Personengruppen besonders ausgeprägt seien.

Dementsprechend befragten sie anhand eines Fragebogens 622 Eltern von Gymnasialkindern achter Klassen erstens nach möglichen sekundären und symbolischen Gewinnen, die mit alten und neuen Sprachen in der Schule verbunden seien und zweitens nach deren Bildungshintergrund. Die Auswertung der Daten bestätigt die Annahmen der Autoren weitestgehend: Der erwartete sekundäre und symbolische Gewinn ist für Latein deutlich höher als für moderne Sprachen und diese Erwartung ist in Familien mit zwei Akademikergenerationen am stärksten ausgeprägt. Demnach könnten fragwürdige Zuschreibungen der Eltern die Fremdsprachenwahl der Kinder beeinflussen.

Auch wenn die Forschungsfragen der Autoren als relevant bewertet werden können und die Erwartungen der Eltern an Latein als Fremdsprache scheinbar eindeutig sind, liegen dennoch Studienlimitationen vor. So werden, abgesehen vom Bildungshintergrund der Eltern, viele weitere mögliche Einflussfaktoren auf diese Erwartungshaltung nicht betrachtet. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, können außerdem keine kausalen Schlüsse, zum Beispiel zu Gründen für diese Erwartungshaltung, gezogen werden. Somit ist weitere Forschung nötig, um diese Erwartungshaltung differenziert zu betrachten und im Zusammenhang mit der Fremdsprachenwahl zu untersuchen und ggf. zu erklären.

Einleitend betonen Gerhards, Sawert und Kohler die Bedeutung des Fremdsprachenunterrichts: Der Unterricht von modernen Fremdsprachen an Schulen ermögliche es den Lernenden, im internationalen Rahmen zu kommunizieren und damit über den nationalstaatlichen Raum hinausgehend agieren zu können. In einer zunehmend globalisierten Welt seien diese Fremdsprachen somit zentral für die Kommunikation, wobei der englischen Sprache als „Lingua Franca“ eine besondere Bedeutung zukomme. Alte Sprachen (Latein und Altgriechisch) hätten diesen kommunikativen Nutzen hingegen nicht, da es sich nicht mehr um gesprochene Sprachen handele. Ein konkreter Nutzen des Lateinunterrichts ergibt sich laut den Autoren lediglich für Studierende, für deren Fach Lateinkenntnisse notwendig (3 %) oder hilfreich (5 %) sein könnten.

Vor diesem Hintergrund wäre zu erwarten, dass die Nachfrage nach Lateinunterricht gering sei. Jedoch nahmen 31 % der Gymnasiasten und Gymnasiastinnen im Jahre 2017 am Lateinunterricht teil – bei steigender Tendenz (1999: 26 %). Für die erhöhte Nachfrage nach Latein müssen folglich andere Ursachen angenommen werden als im Falle moderner Sprachen. Bei diesen Ursachen könnte es sich erstens um einen erwarteten Sekundär- bzw. Transfernutzen oder zweitens um einen symbolischen Nutzen handeln; in Bezug auf diese Aspekte untersuchen die Autoren daher die Erwartungen von Eltern an den Lateinunterricht.

Sekundär-/Transfernutzen von Latein        
Hinsichtlich des Sekundär- oder Transfernutzens wird häufig angenommen, dass Latein die allgemeine Intelligenz und das logische Denken fördere, das Verständnis der deutschen Sprache (v. a. Grammatik) positiv beeinflussen könne und den Erwerb v. a. romanischer Sprachen erleichtere. Schließt man allerdings Verzerrungen durch Selektionseffekte (bei der Fächerwahl und der allgemeinen Leistungsstärke der Lernenden) oder rein subjektive Aussagen der Lernenden aus, so bestätigen empirische Untersuchungen die positiven Annahmen jedoch entweder gar nicht oder zeigen höchstens minimale Effekte. Daraus ergibt sich für Gerhards et al. die Frage, inwiefern Eltern allen empirischen Befunden zum Trotz an den Sekundär-/Transfernutzen des Lernens der alten Sprachen glauben, da sie möglicherweise auf dieser Grundlage ihre Kinder in der Sprachenwahl entsprechend bestärken.

Symbolischer Nutzen von Latein     
Der symbolische Nutzen des Lateinlernens könnte darin bestehen, dass dieses mit hoher gesellschaftlicher Anerkennung und einem Distinktionsgewinn (= Zugehörigkeit zu einem exklusiven Kreis) verbunden sei: Schließlich sei Latein lange Zeit ein Fach von Kindern privilegierter Schichten gewesen und diese Exklusivität sei mit positiven Konnotationen verbunden, u. a. dass Lateinlernende über breite Allgemeinbildung verfügten, an Kunst und Geschichte besonders interessiert seien und Wissen nicht rein unter dem Verwertungsaspekt betrachten würden. Daher kommt auch der erwartete symbolische Nutzen als Grund für die Wahl des Lateinunterrichts infrage und wird dementsprechend von den Autoren erfasst.

Das Autorenteam vermutet, dass die Zuschreibung von sekundärem und symbolischem Nutzen vom Bildungsstand der Eltern abhängig sei. Demnach soll ein hoher Nutzen von Lateinkenntnissen vor allem von höher gebildeten Eltern angenommen werden: Schließlich weise ja vor allem diese soziale Gruppe auch Lateinkenntnisse auf.

Stichprobe
Die Untersuchung basiert auf der Befragung der Eltern von Achtklässlern westdeutscher Gymnasien. Sie wurde im Jahre 2017 durchgeführt und war Teil eines größeren Forschungsvorhabens zur Aufklärung der schulischen Fremdsprachenwahl. Um soziale Selektionseffekte und mögliche Wahlbeschränkungen auszuschließen, wurden nur Gymnasien berücksichtigt, bei denen es erstens eine freie Wahlmöglichkeit zwischen alter und neuer Sprache gab, zweitens keine konkurrierende Schule mit altsprachlicher Orientierung im unmittelbaren Umfeld der Befragten vorhanden war und drittens keine das landesübliche Maß übersteigenden leistungsbezogenen Zugangskriterien zur Schule bestanden. Von 52 so identifizierten Gymnasien nahmen letztlich 13 Schulen (mit 1 497 Achtklässlern) teil. Beide Elternteile aller Achtklässler wurden per Fragebogen um Antwort gebeten. Die vorliegende Untersuchung beruht auf den Rückmeldungen von 622 Elternteilen.

Erhebungsinstrumente
Die Erwartungen von Eltern an den Lateinunterricht wurden mittels Fragebogen erhoben. Zunächst wurde ermittelt, welchen sekundären Nutzen Eltern im Erwerb moderner (Englisch, Französisch, Spanisch) und alter Sprachen (Latein, Altgriechisch) sehen. In Anlehnung an Argumente, welche üblicherweise zur Propagierung altsprachlicher Ausbildung herangezogen werden, wurden drei Dimensionen von vermutetem Transfernutzen abgefragt: Verbesserungen des logischen Denkens, des Niveaus der Beherrschung der Muttersprache und der Fähigkeit, andere Fremdsprachen zu erlernen. Gefragt wurde nach der jeweils nützlichsten Fremdsprache, um eines dieser drei Bildungsziele zu erreichen. Dabei gab es neben den einzelnen Sprachen auch die Option „weiß nicht“ zur Auswahl.

Drei Attribute, die als symbolisches Kapital von Lateinkenntnissen im Hinblick auf Distinktionsgewinne genannt werden können, wurden auf einer fünfstufigen Zustimmungsskala (1 = trifft überhaupt nicht zu, 5 = trifft voll und ganz zu) abgefragt: eine umfassende Allgemeinbildung, kulturelle Bildung sowie eine höhere gesellschaftliche Position. Die Befragten sollten angeben, inwiefern sie diese Eigenschaften mit einer erwachsenen Person verbinden würden, welche Latein als Schulfach hatte. Vergleichend wurde diese Frage auch im Hinblick auf die Sprache Französisch gestellt.

Um den Zusammenhang des Bildungsstandes der Eltern mit der Einschätzung der Nützlichkeit des Lateinunterrichts zu erfassen, wurde der Bildungsabschluss jedes befragten Elternteils erhoben, zusätzlich wurde der höchste erreichte Bildungsabschluss der Eltern des befragten Elternteils erfragt. In Bezug auf den Bildungshintergrund der Eltern wurden vier Gruppen gebildet: nicht-akademisch (weder Eltern noch Großeltern haben einen Universitätsabschluss), alt-akademisch (Großeltern mit Universitätsabschluss, Eltern ohne), neu-akademisch (Eltern mit Universitätsabschluss, Großeltern ohne), historisch-akademisch (Eltern und Großeltern mit Universitätsabschluss).

Auswertung
Bei der Feststellung des erwarteten sekundären Nutzens moderner und alter Fremdsprachen wurden die relativen Häufigkeiten der Antworten in Prozentwerten angegeben. Bezüglich der Distinktionsgewinne wurden Skalenmittelwerte berechnet.

Dem Erlernen von Latein wird in allen drei Dimensionen (logisches Denken, Deutschniveau, Fremdsprachenlernen) ein größerer Sekundär-/Transfernutzen zugeschrieben als dem Erlernen moderner Fremdsprachen. Je nach Dimension vermuten 71 % (Fremdsprachenlernen) bis 80 % (logisches Denken) aller Befragten hier einen höheren Nutzen von Latein, 8 % (logisches Denken) bis 21 % (Fremdsprachenlernen) sehen hingegen den Vorteil auf Seiten der modernen Fremdsprachen. 8 % bis 12 % sind mit der Angabe „kein Unterschied/weiß nicht“ jeweils unentschieden.

Differenziert nach dem Bildungshintergrund der Eltern lässt sich diese Einschätzung tendenziell ebenfalls nachweisen, wobei im historisch-akademischen Milieu die Werte am weitesten zugunsten des Lateinunterrichts ausfallen (je nach Dimension 82 % – 92 %), im nicht-akademischen Milieu sind die Werte am geringsten (64 % – 73 %). Bei den alt- und neu-akademischen Milieus liegen die Werte jeweils dazwischen. In allen Fällen erweist sich der Zusammenhang von Bildungshintergrund und vermutetem Transfernutzen als statistisch signifikant (< .01). Somit wird – den empirischen Untersuchungen zum Trotz – von den Eltern ein hoher Sekundärnutzen vom Lateinunterricht erwartet und dies besonders bei Befragten mit historisch-akademischem Bildungshintergrund.

Der Vergleich zwischen Latein und Französisch hinsichtlich des erwarteten symbolischen Gewinns fällt ebenfalls zugunsten der Altsprache aus. Dies gilt für alle drei abgefragten Eigenschaften (Allgemeinbildung, kulturelle Bildung, gesellschaftliches Ansehen) und für alle Bildungshintergründe. Auf der Zustimmungsskala erreicht im Fall der lateinischen Sprache je nach Bildungshintergrund die Annahme von umfassender Allgemeinbildung durchschnittliche Werte zwischen 2.9 und 3.2. Bei kultureller Bildung lauten die Werte 2.6 bis 2.9 und bei gesellschaftlichem Ansehen 2.2 bis 2.3. Die höchsten Werte für Allgemeinbildung werden im historisch-akademischen Milieu gemessen, bei der Annahme kultureller Bildung wird das Maximum im neu-akademischen Milieu festgestellt. Die niedrigsten Werte ergeben sich in allen Fällen für das nicht-akademische Milieu, wobei allerdings festzuhalten ist, dass die Streuung der Mittelwerte zwischen den Gruppen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund insgesamt recht klein ist. Zum Vergleich: Die Werte für die drei Eigenschaften in Bezug auf die französische Sprache liegen jeweils um 0.3 bis 0.8 Skalenpunkte niedriger als die für Latein. Die Unterschiede zwischen beiden Sprachen sind dabei dennoch jeweils statistisch signifikant (p < .01). Der erwartete symbolische Gewinn durch Lateinerwerb wird von den Eltern höher eingeschätzt als der symbolische Gewinn, der mit Französisch einhergeht. Auch beim erwarteten symbolischen Nutzen zeigt sich also ein Vorsprung für Latein und auch hier werden die höchsten Werte tendenziell im historisch-akademischen Milieu gemessen.

Gerhards et al. halten die oben nachgewiesene Hochschätzung von Latein vor allem in „bildungsreichen“ Gruppen für die Konstruktion einer Realität, durch welche diese Gruppen selbst aufgewertet werden und somit profitieren: So zeige eine Untersuchung von Sawert (2016), dass sich bei Bewerbungen auf Führungspositionen Lateinunterricht ab der fünften Klasse positiv auf die Einladungschancen auswirkte.

Fragestellung
Da Latein keine im Globalisierungsprozess gefragte Sprache darstellt und sich die vermuteten positiven Effekte des Lateinlernens empirisch gar nicht oder höchstens minimal nachweisen lassen, ist die sogar noch zunehmende Anzahl von Schülerinnen und Schülern, welche Latein als Fremdsprache wählen, ein zunächst rätselhaftes Phänomen des Bildungsbetriebs, das zudem personelle und zeitliche Ressourcen bindet. Vor diesem Hintergrund ist die Fragestellung von großer Bedeutung, ob Eltern, die ihr Kind bei der Wahl einer Fremdsprache begleiten, dabei ggf. einem fragwürdigen Konstrukt folgen. Auch die anschließende Frage, inwiefern dieses Konstrukt in unterschiedlichen Bildungsmilieus verankert ist, ist zu begrüßen.

Design
Im Hinblick auf die Durchführung der Untersuchung ist anzumerken, dass viele weitere mögliche Einflussfaktoren auf die Erwartungen von Eltern an den Lateinunterricht denkbar scheinen, aber nicht eingebunden wurden. Im Hinblick auf die befragten Eltern wurde explizit der Bildungshintergrund erfragt. Andere Eigenschaften, welche ebenfalls die Erwartungshaltung bzgl. möglicher Sekundär- und Distinktionseffekte beeinflussen könnten, wurden allerdings nicht untersucht, z. B. Zugehörigkeit zu sozialen Schichten, Migrationshintergrund, Berufsgruppenzugehörigkeit, Einstellung gegenüber Bildung (utilitaristisch – nicht utilitaristisch, karrierebezogen – auf Persönlichkeitsentwicklung bezogen usw.), religiöse Bindung. Hier wäre weiterführend eine differenziertere Betrachtung möglich. Darüber hinaus wurde offenbar die persönliche Erfahrung der Eltern mit den untersuchten Sprachen nicht erfragt: Haben die Eltern die hier angefragten Sprachen selbst gelernt? Welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht? Haben diese Erfahrungen einen Einfluss auf die Entscheidung ihres Kindes gehabt?

Ihren Reiz bezieht die Untersuchung daraus, dass die Forschung den Sekundärgewinn von Lateinkenntnissen bestreitet, die Eltern jedoch mehrheitlich von einem solchen Gewinn ausgehen. Hier wäre zu fragen, aufgrund welcher Informationsquellen/Beobachtungen die Eltern zu ihrem Urteil gelangen.

Auch zu möglichen bildungsgeographischen Effekten herrscht Unklarheit. Mitgeteilt wird lediglich, dass die Untersuchung in einigen westdeutschen Bundesländern stattfand und dass in Bayern die Durchführung der Befragung nicht möglich war. Es wird nicht mitgeteilt, warum nicht auch die ostdeutschen Länder einbezogen wurden: Diese hatten vierzig Jahre lang eine von Westdeutschland spürbar abweichende Gesellschaftsentwicklung und eine entsprechend eigenständige Bildungspolitik. Es könnten somit evtl. beobachtbare Unterschiede zwischen Ost und West möglicherweise für die Erklärung des Sprachwahlphänomens fruchtbar gemacht werden.

Aus den offen gebliebenen Fragen ergibt sich ein umfangreicher zukünftiger Forschungsbedarf.

Ergebnisse
Es ist ein in seiner Bedeutung zur Erklärung des Sprachwahlverhaltens relevantes Ergebnis, wie hartnäckig sich unter Eltern von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten das empirisch widerlegte Konstrukt zu halten scheint, Lateinunterricht bringe einen sekundären Nutzen und Distinktionseffekte mit sich. Ebenso ist interessant, dass vor allem Eltern mit historisch-akademischem Bildungshintergrund diesem Konstrukt folgen. Der daraus gezogene Schluss, dass diese Gruppe der Hauptprofiteur des Konstrukts sei, ist jedoch unsicher, solange unbekannt ist, wie verbreitet die Sprachkenntnisse bei den Befragten der vier ausgewiesenen Bildungshintergründe sind: Es dürfte unter den Eltern aus historisch-akademischen Familien nicht wenige geben, die selbst keinen Lateinunterricht hatten, und ebenso nicht wenige Eltern in nicht-akademischen Familien, die Lateinunterricht hatten.

Außerdem sei noch ein Blick auf die Ergebnisse geworfen, welche im Anhang berichtet, aber nicht explizit diskutiert werden. So geht aus Tabelle A3 hervor, dass etwa 80 % der befragten Eltern davon ausgehen, dass moderne Fremdsprachen die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss eines Studiums verbessern. Das gilt nur für ca. 14 % der Befragten in Bezug auf die alten Sprachen. Es wäre daher spannend zu untersuchen, welche Gründe Eltern in Bezug auf die Sprachenwahl ihrer Kinder als relevanter einstufen. Auch ein weiteres interessantes Ergebnis wird in Tabelle A5 referiert: Auch bei den Eltern, deren Kinder keinen Lateinunterricht haben, sondern eine neue Sprache lernen, ist die Annahme verbreitet (wenngleich in etwas geringerem Ausmaß als bei den Eltern, deren Kinder Latein lernen), dass der erwartete Sekundärnutzen von Latein in allen drei Themenfeldern (logisches Denken, Deutschkenntnisse, Fremdsprachenlernen) höher sei als derjenige moderner Fremdsprachen. Doch obwohl auch sie offenbar mehrheitlich das Konstrukt von den erwarteten positiven Folgen des Lateinunterrichts teilen, lernen ihre Kinder die Altsprache nicht.

Auch an diesem Punkt offenbart sich also weiterer Differenzierungsbedarf.

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Diese Rezension wurde erstellt von:
Dr. Heinz Sander, Lehrer am Gymnasium der Stadt Kerpen – Europaschule und Privatdozent an der Universität zu Köln

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