Fragestellungen der Studie:

  • Wie lässt sich die Qualität von Ganztagsangeboten bestimmen?

Rezension zur Studie

Sauerwein, M. N. (2016). Qualitätsmerkmale in Ganztagsangeboten aus Perspektive der Schüler/innen. In N. Fischer, H. P. Kuhn & C. Tillack (Hrsg.), Was sind gute Schulen? Teil 4: Theorie, Forschung und Praxis zur Qualität von Ganztagsschulen (S. 60–80). Immenhausen bei Kassel: Prolog-Verlag.FIS Bildung

Die Qualität von außerschulischen Ganztagsangeboten wird nur unzureichend erfasst, wenn man allein die bekannten Basisdimensionen guten Unterrichts anlegt: Classroom Management, Motivationsunterstützung bzw. Orientierung auf die Schüler und Schülerinnen sowie kognitive Aktivierung. Sauerwein rekurriert auf sozialpädagogische Ziele und untersucht, ob folgende Dimensionen zusätzliche Informationen zur Qualität von Ganztagsangeboten liefern: Alltagsweltorientierung, Partizipation und Anerkennung, letztere Dimension unterteilt in emotionale Zuwendung, individuelle Anerkennung und rechtliche Anerkennungsformen (faire und gleiche Behandlung).

Hierfür prüft der Autor mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse, ob sich diese Ergänzung der Basisdimensionen aus Perspektive der Schülerinnen und Schüler empirisch bestätigen lässt oder ob die Qualität der Ganztagsangebote eher global wahrgenommen wird. Des Weiteren ist Gegenstand der Untersuchung, ob zwischen einzelnen Qualitätsmerkmalen enge Beziehungen bestehen, die überflüssige Redundanz signalisieren. Die Auswertungen basieren auf Fragebogenerhebungen aus der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (Projekt StEG-S). Analysiert wurden 695 Datensätze von Schülerinnen und Schülern der 5. Jahrgangsstufe, die Angaben zur Nutzung und Bewertung von Ganztagsangeboten in den Bereichen Medienangebote, Leseangebote und Angebote zum sozialen Lernen gemacht hatten.

Im Ergebnis ist die Beurteilung der drei Angebotsbereiche des Ganztags durch acht Qualitätsmerkmale einer globalen Beurteilung überlegen. Die heuristisch eingeführten Qualitätsmerkmale weisen teilweise starke Zusammenhänge auf, trotzdem erreicht keine Korrelation einen Wert, der eine Zusammenlegung von zwei Qualitätsmerkmalen plausibilisiert. Insofern sind die Qualitätsmerkmale operationalisierbar, empirisch trennbar und stellen schlussendlich ein geeignetes Instrument dar, um die Qualität von Ganztagsangeboten aus Schülerinnen- und Schülerperspektive differenziert zu erfassen.

Aus der Untersuchung resultieren neue Erkenntnisse, die sowohl für Theoretiker als auch für Praktiker wichtige Impulse für die Gestaltung und Evaluation von Ganztagsangeboten liefern. Aufgrund der wenig differenzierten Operationalisierung der Qualitätsmerkmale sowie der geringen Stichprobengröße, die Sauerwein selbst bedauert und die mit wesentlichen methodischen Einschränkungen verbunden ist, bedarf es weiterer Untersuchungen, um die Validität der Befunde zu unterfüttern.

Nachfolgende Reflexionsfragen sind ein Angebot, die Befunde der rezensierten Studie auf das eigene Handeln als Lehrkraft oder Schulleitungsmitglied zu beziehen und zu überlegen, inwiefern sich Anregungen für die eigene Handlungspraxis ergeben. Die Befunde der rezensierten Studien sind nicht immer generalisierbar, was z. B. in einer begrenzten Stichprobe begründet ist. Aber auch in diesen Fällen können die Ergebnisse interessante Hinweise liefern, um über die eigene pädagogische und schulentwicklerische Praxis zu reflektieren.

Reflexionsfragen für Lehrkräfte:

  • Welche Verfahren nutze ich, um die Qualität der von mir durchgeführten unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Angebote aus Perspektive der Schülerinnen und Schüler bewerten zu lassen?
  • Welche der von Sauerwein postulierten Qualitätsdimensionen berücksichtige ich dabei? Was ist mir ggf. darüber hinaus wichtig?
  • In welchen Qualitätsdimensionen erzielen die von mir durchgeführten Ganztagsangebote besonders hohe bzw. besonders niedrige Werte und was folgt daraus für ihre zukünftige Gestaltung und meine weitere Professionalisierung?

Reflexionsfragen für Schulleitungen:

  • Welche der von Sauerwein postulierten Qualitätsdimensionen werden an meiner Schule für die Gestaltung und Evaluation der außerunterrichtlichen Ganztagsangebote zugrunde gelegt?
  • In welchen Zusammenhängen bzw. Gremien wird über die Qualität unserer außerunterrichtlichen Ganztagsangebote gesprochen? Inwiefern wurde ein gemeinsames Qualitätsverständnis entwickelt und dokumentiert? Welche Maßnahmen der Qualitätssicherung der außerunterrichtlichen Angebote gibt es an meiner Schule?
  • Inwiefern werden Wünsche der Schülerinnen und Schüler bei der grundlegenden Gestaltung und Ausrichtung der Ganztagsangebote berücksichtigt?
  • Welche Maßnahmen kommen in meiner Schule zur Anwendung, damit Ganztagsangebote qualitativ mehr darstellen als eine Fortführung des regulären Schulbetriebs?

Sauerwein konstatiert einleitend, dass sich die quantitativ-empirische Unterrichtsforschung bisher kaum den Qualitätsmerkmalen außerunterrichtlicher Angebote an Ganztagsschulen widmete. Die wenigen vorliegenden Untersuchungen, welche Ganztagsangebote in ihrer Qualität erfassen, stützten sich auf drei in der Forschungsgemeinschaft breit akzeptierte Basisdimensionen guten Unterrichts (Klieme et al., 2006, 2008, 2009):

  • Classroom Management, d. h. strukturierte, störungspräventive Unterrichtsführung, effektive Zeitnutzung;
  • Motivationsunterstützung bzw. Schülerinnen- und Schüler-Orientierung, d. h. Berücksichtigung der Bedürfnisse nach Autonomieerleben, Kompetenzerleben und Sicherheit (soziale und emotionale Unterstützung);
  • kognitive Aktivierung, d. h. herausfordernde und anregende Aufgaben- bzw. Fragestellungen.

Dass die Erforschung der Ganztagsangebote derzeit in den Kinderschuhen steckt, wie Sauerwein formuliert (S. 76), darf eingedenk des dynamischen Ganztagsausbaus in den letzten eineinhalb Dekaden als problematisch angesehen werden. Dem Rezensenten ist als Schulleiter die Forderung aus Politik, empirischer Unterrichtsforschung und Sozialpädagogik nicht fremd, dass es zu keiner Ausweitung von Fachunterricht bzw. unterrichtsähnlichen Lernsettings auf den verlängerten Schultag kommen dürfe. Vielmehr sollten in Ganztagsschulen die unterrichtlichen Phasen durch außerunterrichtliche Ganztagsangebote sinnvoll rhythmisiert ergänzt werden. Erst dann verfüge die Ganztagsschule in der Verzahnung von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Bildungsangeboten über einen erweiterten Bildungsbegriff und ein erweitertes Qualitätsverständnis.

Sauerwein führt im Weiteren aus, dass außerunterrichtliche Ganztagsangebote sich von den unterrichtlichen Lernformaten durch einen höheren Grad an Freiwilligkeit, Offenheit, Partizipation sowie informeller Auseinandersetzung mit Arbeitswelt, Gesellschaft, Peergroup unterscheiden. Mithin liege Ganztagsangeboten ein Bildungsbegriff zugrunde, der stärker Aspekte wie Eigenverantwortlichkeit, Emanzipation und informelles Lernen betone, als es für den Fachunterricht gelte. Vor diesem Hintergrund sei Skepsis in der Frage angeraten, ob eine Adaptation der oben benannten Basisdimensionen für guten Unterrichts zweckdienlich bzw. ausreichend zur Beurteilung der Qualität von Ganztagsangeboten sei.

Für seine Untersuchung ergänzt der Autor also die etablierten drei Basisdimensionen um fünf Qualitätsmerkmale für Ganztagsangebote, die für die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) aus der sozialpädagogischen Fachliteratur extrahiert wurden. Diese sind: Alltagsweltorientierung, Partizipation und Anerkennung. Letztgenannte Dimension wird erneut in die drei Subfacetten emotionale Zuwendung, individuelle Anerkennung und rechtliche Anerkennungsformen untergliedert.

  • Alltagsweltorientierung: Orientierung an Bezugsgruppen, Ritualen, Wünschen, Bedürfnissen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen
  • Partizipation: Möglichkeiten eröffnen, um Selbstbestimmung, Verantwortungsübernahme und demokratische Mitbestimmung zu unterstützen
  • Anerkennung
    • emotionale Zuwendung: positive, interessierte, freundliche und offene Haltung (emotionale Anerkennung) ohne Stigmatisierung und Ausgrenzung
    • individuelle Anerkennung: Wertschätzung spezifischer Eigenschaften und Fähigkeiten
    • rechtliche Anerkennungsformen: faire und gleiche Behandlung, keine Bloßstellung, kein Anschreien und keine körperlichen Angriffe

Darüber hinaus nimmt Sauerwein einen Perspektivwechsel auf diejenigen vor, welche die Ganztagsangebote nutzen. Er fragt, ob die Beurteilung der Angebotsqualität durch Schülerinnen und Schüler derart differenziert erfolgt, dass dies die eingeführten Beurteilungskategorien quantitativ wie qualitativ rechtfertigt, ober ob gegenteilig die Bewertungsurteile der Schülerinnen und Schüler eher global ausfallen.
Entsprechend wird in der Untersuchung folgenden Forschungsfragen nachgegangen:

  1. Lässt sich die postulierte Ausdifferenzierung von acht Qualitätsmerkmalen zur Beurteilung von Ganztagsangeboten aus Perspektive der Schülerinnen und Schüler empirisch bestätigen oder wird die Qualität der Ganztagsangebote von Schülerinnen und Schülern eher global wahrgenommen?
  2. Bestehen zwischen einzelnen Qualitätsmerkmalen zur Beurteilung von Ganztagsangeboten aus Perspektive der Schülerinnen und Schüler so hohe Korrelationen, dass der Umfang an Überschneidung eine Zusammenlegung bestimmter Qualitätsmerkmale nahelegt?

Die der Studie zugrunde liegenden empirischen Daten stammen aus dem Projekt StEG-S, einem Teilprojekt der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG). Verteilt über drei Messzeitpunkte (Schuljahresbeginn, Schulhalbjahr, Schuljahresende) wurden Schülerinnen und Schülern der 5. Jahrgangsstufe von 66 Ganztagsschulen Fragebögen an Computern zugänglich gemacht. An der Befragung zum Schuljahresanfang nahmen 2.105 Schülerinnen und Schüler teil. Relevant sind für die vorliegende Studie jedoch nur Datensätze von Schülerinnen und Schülern, die angaben, mindestens ein Ganztagsangebot aus den Bereichen Medienangebote (n = 278), Leseangebote (n = 190) und Angebote zum sozialen Lernen (n = 227) zu besuchen und die deren Qualität in den Fragebögen zum zweiten und dritten Messzeitpunkt bewertet hatten.

Um gemäß der Forschungsfrage 1 überprüfen zu können, ob die Schülerinnen und Schüler in ihrer Qualitätsbeurteilung zwischen einzelnen Qualitätsaspekten differenzieren oder eher global urteilen, kam in der Auswertung der Antworten eine konfirmatorische Faktorenanalyse zur Anwendung. Hierzu wurde ein Modell, dem ausschließlich ein globaler Qualitätsfaktor zugrunde lag, mit einem Modell verglichen, das von acht verschiedenen Qualitätsmerkmalen ausging. Die Überprüfung, welches der Modelle besser die empirischen Befunde abbildet, erfolgte durch einen Vergleich der Fitindizes (CFI, RMSEA) und mit Hilfe eines Chi2-Differenzen-Tests für den verwendeten WLSMV-Schätzer, wobei das statistische Modellierungsprogramm MPlus 7 eingesetzt wurde. Hinsichtlich der Forschungsfrage 2 fand abschließend eine Analyse der Korrelationen zwischen den acht postulierten Qualitätsmerkmalen statt, um beurteilen zu können, ob die Differenzierung zwischen allen Merkmalen empirisch haltbar sei.

Die Auswertung der konfirmatorischen Faktorenanalyse führt zu einer positiven Beantwortung der ersten Forschungsfrage: „Ein Modell, das eine achtdimensionale Faktorstruktur annimmt, ist einem eindimensionalen Modell überlegen […]“ (S. 69). Dieser positive Befund gilt für alle drei untersuchten außerunterrichtlichen Angebotskategorien, also für Angebote zum Lesen, Medienangebote und Angebote zum sozialen Lernen.

Auch für die zweite Forschungsfrage ist eine positive Beantwortung möglich. Wenngleich zwischen den heuristisch eingeführten Qualitätsmerkmalen teilweise starke Zusammenhänge bestehen, erreicht keine Korrelation eine Höhe, die eine Zusammenlegung von zwei Qualitätsmerkmalen plausibilisiert (keine Messung ergibt Werte von r > .8). Höhere Zusammenhänge liegen insbesondere zwischen den Qualitätsdimensionen „Alltagsweltorientierung“ und „Autonomieunterstützung“ vor (r = .41-.66). Ebenfalls treten stärkere Zusammenhänge zwischen „Partizipation“ einerseits und den Anerkennungsaspekten „Individuell“ (r = .44-.71) und „Emotional“ (r = 52.-.70) andererseits auf. Sauerwein hebt abschließend den überraschend hohen Korrelationsbefund zwischen „kognitiver Aktivierung“ und „emotionaler Anerkennung“ (r = .50-.51) zum zweiten Messzeitpunkt und zum dritten Messzeitpunkt zwischen „kognitiver Aktivierung“ und „Partizipation“ (r = .60-.73) hervor.

Die aus der Literatur abgeleiteten acht Qualitätsmerkmale erweisen sich als operationalisierbar und empirisch trennbar. Darum sind sie schlussendlich ein geeignetes Instrument, um die Qualität von Ganztagsangeboten aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler zu erfassen.

Hintergrund
In seinem Beitrag widmet sich Sauerwein einem bedeutsamen Desiderat. Bereits der Umstand, dass zur Bewertung der Qualität von Ganztagsangeboten zuvor lediglich Qualitätsdimensionen zur Anwendung bereitstanden, die den Fokus auf zentrale Beurteilungsaspekte von Unterricht legten, illustriert eindrucksvoll die Forschungslücke, die der Beitrag schließen soll. Sauerwein begründet nachvollziehbar und effektiv, warum die kanonischen Qualitätsdimensionen Classroom Management, kognitive Aktivierung und Motivationsunterstützung bzw. Orientierung auf die Schülerinnen und Schüler ihre Berechtigung bei der Qualitätsbewertung von Ganztagsangeboten haben. Gleichsam schlüssig wie knapp führt der Autor aus, dass Ganztagsangeboten ein um verschiedene sozialpädagogische Aspekte erweiterter Bildungsbegriff zugrunde liegen muss, der darum zusätzliche Qualitätsdimensionen zu seiner Beurteilung erfordert. Die zusätzlichen fünf Qualitätsmerkmale adaptiert Sauerwein aus den Forschungsbefunden der StEG-Untersuchung. Er erläutert diese inhaltlich kurz, wobei Quellenangaben eine intensivere Auseinandersetzung mit den Dimensionen und deren Subfacetten gestatten. Offen bleibt, ob weitere Qualitätsdimensionen hätten berücksichtigt werden können, jedoch für den Beitrag außer Acht gelassen wurden.

Design
Die Herleitung der beiden Forschungsfragen erfolgt stringent und plausibel. Die Elemente des Untersuchungsdesigns sind nachvollziehbar und in ihrer Darstellung ausführlich. Allerdings ist dazu die Bereitschaft des oder der Lesenden vorausgesetzt, mit Zeit und Konzentration Sauerweins Beschreibungen der konfirmatorischen Faktorenanalyse und der Korrelationsberechnungen – auch in den Fußnoten – zu folgen.

Die Erhebung und Beschreibung der Stichprobe lässt sich chronologisch verfolgen und die Aufbereitung der Daten ist auch für Leserinnen und Leser ohne vertieftes methodisches Vorwissen einleuchtend. Mehrfach weist Sauerwein drauf hin, dass seine Stichprobe klein ist, insbesondere für einzelne Ganztagsangebote zu einzelnen Messzeitpunkten. Die Gründe hierfür sind ebenso nachvollziehbar wie das Bedauern des Autors, dass nicht mehr Schülerinnen und Schüler die berücksichtigten Ganztagsangebote besuchten und bewerteten.

Allerdings führt diese Datenbasis zu Einschränkungen. Da die Daten aus zwei Befragungsmesszeitpunkten stammen, ist anzunehmen, dass dieselben Personen mehrfach befragt wurden. In diesem Fall sind die Daten nicht unabhängig voneinander und die Ergebnisse beruhen auf den Angaben von wenigen Einzelpersonen, was ihre Aussagekraft zusätzlich mindert. Ein weiteres Manko ist, dass mit dem genutzten WLSMV-Schätzer im verwendeten Statistikprogramm (MPlus 7) keine Informationskriterien (AIC, BIC) ausgegeben werden. Anhand von Informationskriterien lässt sich erkennen, ob die Ausdifferenzierung eines globalen Modells jenseits statistischer Signifikanz auch im Hinblick auf die aus wissenschaftlicher Perspektive anzustrebende Sparsamkeit bei der Modellbildung vorteilhaft ist. Da der Autor einige Annahmen dazu formuliert, welche Qualitätsmerkmale inhaltliche Berührungspunkte aufweisen, stellt sich zudem die Frage, warum das globale Modell nur gegen das achtdimensionale Modell getestet wurde und nicht auch gegen Modelle, in denen möglicherweise redundante Qualitätsmerkmale zusammengefasst wurden. Schließlich fehlen Angaben zur Messgenauigkeit (Reliabilität) der eingesetzten Fragebogenskalen und zur Berechnungsweise der tabellierten Korrelationen. Dies ist nicht unwesentlich, denn die Korrelation einer Variablen mit einer anderen Variablen kann maximal so hoch sein wie die Wurzel ihrer Reliabilität, d. h., möglicherweise resultierten keine höheren Korrelationen, die eine Zusammenlegung von Qualitätsmerkmalen nahegelegt hätten, weil die Qualitätsmerkmale nicht hinreichend genau gemessen wurden. Daher ist auch die Anzahl der eingesetzten Fragebogen-Items kritisch zu sehen, weil die einzelnen Qualitätsmerkmale mit gerade einmal je drei bis vier Aussagen erfasst wurden.

Ergebnisse
Beide Forschungsfragen beantwortet Sauerwein in seinem Beitrag und legt neue Erkenntnisse vor, die sowohl für die Kolleginnen und Kollegen an Ganztagsschulen als auch für die Forschungsgemeinschaft wichtige Impulse liefern. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung von Ganztagsschulen, die qualitativ mehr anbieten wollen als den ganzen Tag Schule im herkömmlichen Sinn.

Aufgrund der vom Autor zu Recht monierten Stichprobengröße bedarf es weiterer Untersuchungen mit größeren Stichproben, um die Validität der Befunde zu unterfüttern. Folgeuntersuchungen müssten darüber hinaus Ganztagsangebote in den Blick nehmen, die das spezifische Untersuchungsdesign nicht erfassen konnte. Zu denken wäre an Angebote aus dem MINT-Bereich oder den Bereichen Kreativität, Gesundheit, Sport und Ernährung. Es gilt zu überprüfen, ob die Qualitätsdimensionen auch auf derartige Angebote zu übertragen sind. Ob die Ergebnisse konstant bleiben, wenn Schülerinnen und Schüler höherer Jahrgangsstufen als der 5. Klasse befragt werden, ist eine dritte Anschlussfrage, die aus den Ergebnissen des vorliegenden Beitrages abzuleiten ist. Folgerichtig fordert Sauerwein abschließend: „Das hier vorgeschlagene Qualitätsmodell sollte idealerweise in weiteren Studien und aus verschiedenen Perspektiven validiert und ergänzt werden“ (S. 71).

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Diese Rezension wurde erstellt von:
Dr. Holger Braune, Schulleiter an der Freien Christlichen Gesamtschule Düsseldorf

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